August 2008


Auftragssocken sind ja nicht so mein Fall, oder Socken, die man unbedingt stricken muss, weil man es sich selbst vorgenommen hat.

Diese hier sind jedoch eine Ausnahme:

Socken 10/2008

Socken 10/2008

Das sind „Dankeschön-Socken“. Ich habe eine Brother Strickmaschine geschenkt bekommen, eine KH 868, nagelneu, noch mit Kaufbeleg aus den 80iger Jahren, die Schutzfolien sind noch aufgeklebt. Eine Lochkarteneinrichtung und entsprechender Lochmusterschlitten sind dabei. Bislang habe ich nur die Maschine getestet, glatt rechts gestrickt – und – es könnte etwas werden mit uns beiden !

Als Dankeschön gibt es ein Paar Socken, hoffentlich gefallen sie der Empfängerin. Das Muster ist eine Abwandlung des Musters der Socken 9/2008, ein selbst ausgedachtes Strukturmuster aus Regia-Wolle, 6fädig, Tweed.

Socken 10/2008 Muster

Socken 10/2008 Muster

Gestrickt habe ich mit Nadeln der Stärke 3,0. Ich mag die Sockenstricknadeln, die nur 15 cm lang sind. Diese scheint es ab der Größe 3,0 aber nicht mehr zu geben, so habe ich – völlig ungewohnt – mit den langen Stricknadeln hantiert.

Jedes letzte Wochenende im Monat findet in Leipzig auf dem Gelände der ehemaligen Gartenausstellung der DDR – Agrar – ein riesiger Trödelmarkt statt. Aus den dort angebotenen Sachen könnte man glatt einige Museen gestalten, Sachen, die man noch nie oder lange nicht mehr gesehen hat. Viele viele alte Möbel, die sofort ihren Platz in holländischen LKWs fanden.

Leider hatte ich keine Kamera dabei, aber ich wollte auch gar nicht dorthin, nee, „Mann“ wollte dorthin. So ist es nur legitim, dass ich gleich am ersten Stand in Wolle schwelgen durfte:

Online Garn Gala

Online Garn Gala

Grünblaues Garn von Online, ein Knäuel in beige, das schreit nach einer Weste oder einem Pullunder.

Dann sah (und kaufte) ich noch:

3 Kartons Alpaka

3 Kartons Alpaka

3 Kartons Aplacana von Schachenmaier, die mussten auch mit, alle drei.

Alpacana

Alpacan

Die Farbe ist mehr jeansblau. Die werden ein ganzer Pullover oder eine Jacke. Die Wolle ist sehr weich und kuschelig.

Also ab 10 Uhr und gleich vom ersten Stand an musste „Mann“ 4 Kartons Wolle tragen. Aber ich wollte ja gar nicht mit…

Dann folgte ein Stand mit handgesponnener Schafwolle. Die mag ich besonders und ich bin noch auf der Suche nach brauner oder schwarzer Schafwolle – ungefärbt natürlich – eben von braunen oder schwarzen Schafen. D.h. ich war auf der Suche:

braune Schafwolle

braune Schafwolle

Diese braune, recht fein versponnene Schafwolle durfte mit. Die hab ich dann selbst getragen :o)

Dann passierte eine Weile nichts, es war sehr heiß und Abkühlung versprachen die Stände in den 2 Hallen. Hier jedoch hatten sich professionelle Hänlder niedergelassen, die zwar tolle Ware hatten, aber es gab nichts, was wir brauchten oder bezahlen konnten oder wollten.

Also wieder raus ins Außengelände.

Wollwickler

Wollwickler

Da fand sich noch dieses tolle Stück. Sehr gut in Ordnung, von einem polnischen Händler gekauft und noch gut beim Preis verhandelt.

Ich bin zufrieden !

Ach ja, „Mann“ hatte ja vor dem Trödelmarkt geunkt, dass wir heute bestimmt Wollwickler und eine Strickmaschine sehen. Haben wir. Gesehen habe ich außerdem mindestens 5 Spinnräder und dazu gehörende Wollaufwickler, sehr schöne und alte Stücke und sogar eine Strickmaschine der Marke „Strickfee“.

Der anschließende späte Nachmittag wurde in der Innenstadt verbracht, durch die Geschäfte bummelnd, Eis essend, die Stadt anschauend. Alles in allem war es ein schöner Tag in Leipzig. Ob ich das nächste Mal auch wieder mitfahren darf ?

Zeit, die Passap herauszukramen und ein paar Probereihen zu stricken. Haareraufen, dann auf einmal klappt es und dann:

Miezinger vor Strickmaschine Miezinger vor Strickmaschine 2

ist wohl ein „schwerer Anwendungsfehler“ aufgetreten !

Na gut, ich hab ja noch mein Zick-Zack-Top. Das habe ich gestern nochmal fast vollständig aufgeribbelt, es war trotz Messen und Probieren zu weit. Also nochmal: weniger Maschen, dünnere Nadel. Nun warte ich darauf, dass es zu eng wird. Klar. In dem Teil war von Anfang an der Wurm drin.

Ich habe mir ein Buch übers Stricken gekauft. Sylvia Geier, Kulturphänomen Stricken

Sylvia Geier - Kulturphänomen Stricken

Sylvia Geier - Kulturphänomen Stricken

Darin wird wissenschaftlich untersucht, wie sich das Stricken in der Geschichte entwickelt hat, hinein bis in die 80iger Jahre. Ich habe bislang nur in dem Buch geblättert und mich an der einen oder anderen Stelle festgelesen. Ich bin erstaunt, dass die Autorin so viele Gründe für das Stricken fand. Früher wollte man die Mädchen an das Haus binden, disziplinieren, deren „müßige Zeit“ ausfüllen. Geschickte Mädchen wurden als gute Partie angepriesen. Ich hätte gedacht, dass einfach die Herstellung von Kleidung und Socken oder der Hinzuverdienst der Strickerin zum Budget der Familie im Vordergrund stand, vielleicht noch die Kommunikation an langen und kalten Winterabenden.

Das Buch hat mich jedenfalls zum Nachdenken angeregt und an die eigene familiäre Vergangenheit erinnert.

Wenn ich so an meine Oma mütterlicherseits- Alma Ida Fischer geb. Lippert, geb. am 12.03.1907, verst. am 21.09.1982 – denke und deren Erzählungen, wurden in der Familie Socken, Pullover und Jacken gestrickt, weil es auf dem Dorf diese Sachen nicht zu kaufen gab und es auch nicht üblich war, diese Sachen zu kaufen. Jedes weibliche Familienmitglied, also meine Oma und deren 3 Töchter (d.h. meine Mutter und meine Tanten) strickten jedes Jahr Socken für den Winter und für die gesamte Familie. Pullover und Jacken wurden nur bei Bedarf gestrickt und hielten wohl länger. Die Socken wurden gestopft, wenn sie durchgelaufen waren, die Pullover wurde ebenfalls ausgebessert. Die Wolle bestand zu 100% aus Naturfasern, deren Haltbarkeit war nicht so wie bei den heutigen Socken, außerdem bestand beim waschen Verfilzungsgefahr.

1982 hat meine Oma für meinen damals 10 Monate alten Sohn noch ein paar Socken mit traditioneller Sockenwolle gestrickt, einfarbig grau mit Nadeln Stärke 1,75. Meine Oma starb, ohne die Fäden vernäht zu haben, und genauso bewahre ich diese Socken bis heute noch auf:

Kindersocken 1982

Kindersocken 1982

Ich weiß nicht, ob die Babybeinchen da jemals reingepasst hätten, ich habe es nicht probiert. Diese Socken sind für mich ein Andenken an meine Oma geworden und ich habe sie über die vielen Jahre aufbewahrt.

Angeregt durch das Buch und die eigene Familiengeschichte, finde ich die Frage interessant:

Warum stricke ich ?

  • heutzutage gibt es ja alles zu kaufen,
  • man kann im Geschäft einen Pullover in verschiedenen Größen anprobieren, und den kaufen, der am besten passt, und muss sich eigentlich nicht mit dem gestrickten zufrieden geben und den Bauch einziehen oder die Ärmel einmal umschlagen,
  • Socken gibt es ebenso zu kaufen, wie Schals, Handschuhe, Jacken und alles andere,
  • Freizeit hat man auch nicht so viel, dass Langeweile aufkommt,

Was bleibt dann noch?

  • die Freude etwas selbst zu machen ?
  • ein Unikat herzustellen ?
  • mit Stolz den ganzen Kommerz hinter sich lassen und sich sagen: ich mach da nicht mit ?
  • die Freizeit zu gestalten ?
  • etwas sinnvolles auf der Fahrt zur Arbeit oder vor dem Fernseher machen ?
  • stricken weil man es kann und im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis Anerkennung findet ?

Vielleicht regt dieser Post noch jemanden zum Nachdenken an, übers Stricken, über die eigene familiäre Strickvergangenheit. Ich würde mich darüber freuen.

Das Wollschaf fragte:

Wie wichtig ist es Dir, neue Stricktechniken zu erlernen? Welche Stricktechnik hast Du Dir zuletzt angeeignet?
Herzlichen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Ich habe geantwortet:

Ich probiere gern was Neues, Lochmuster, Fair-Isle usw., in Teilen und Runden gestrickt – kein Problem. Derzeit plane ich mal einen Fair-Isle in Runden zu stricken und dann aufzuschneiden, noch habe ich Angst davor. Brrr

Dennoch sehe ich es pragmatisch wie Frau Tichiro , was nicht gerade ansteht, wird auch nicht probiert. Also kein Stricken von Luftnummern, sondern nur das wird getestet, was auch wirklich mal was werden soll.

Jetzt müsst ihr ganz tapfer sein, denn ICH habe es noch bekommen. Deutschlands letztes Buch von Marianne Isager „Stricken á la carte“. Ich habe schon lange damit geliebäugelt und hätte auch die dänische Ausgabe genommen (2 Semester dänisch an der Volkshochschule und unzählige Urlaube in Dänemark hätten mich dafür ausreichend qualifiziert), doch nirgendwo war das gute Stück aufzutreiben. Auch falls jetzt eine Neuauflage kommt, ist mir egal,  ich habs, juhu !

Marianne Isager - Stricken á la carte

Marianne Isager - Stricken á la carte

Der Inhalt ist ganz passabel, zeitlose tragbare Modelle. Wobei ich beim Nachstricken sicherlich sehr vorsichtig sein werde und auf jeden Fall immer eine Maschenprobe machen werde.

Nach Anfangsschwierigkeiten mit dem Zick-Zack-Top habe ich mich nun mit dem Modell versöhnt. Man muss erst die richtige Maschenanzahl rausfinden, und da hilft nur – probieren und zählen. Die Vorgaben im Buch von Frau Isager kann ich nicht nachvollziehen.  Bei mir wurden die ersten Versuche viel zu breit, trotz dünnerer Wolle und dünneren Nadeln. Doch vorbei, jetzt folgt noch eine Phase „mindless knitting“ und dann das leidige Fadenreste beseitigen und Ränder stricken. Doch ich bin da zuversichtlich und schließlich kann man das gute Teil dann auch noch im Herbst anziehen, mit einer Bluse drunter.

Fortschritt Zick-Zack-Top

Fortschritt Zick-Zack-Top

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